Fremde Arbeiter sorgen für Unruhe bei VW
Absatzkrise wirft ihre Schatten im Motorenwerk voraus: Spekulationen um Einsatz polnischer Monteure
Bei VW in Chemnitz sorgt der Einsatz polnischer Mitarbeiter für Unruhe
Chemnitz. Trotz weltweiter Absatzkrise in der Automobilindustrie läuft die Produktion im Chemnitzer VW-Motorenwerk vorerst uneingeschränkt weiter. Das bestätigte am Dienstag ein Sprecher. "Bei uns gibt es derzeit keine Einschnitte."
Dennoch wirft die Krise auch bei VW in Chemnitz ihre Schatten voraus. Unter den 1000 Mitarbeitern in den Produktionssälen machen Gerüchte die Runde, wonach die Verträge mit Leiharbeitern nicht verlängert wurden und stattdessen Arbeitnehmer aus Polen an den Maschinen stehen. Fragen werden laut: Nehmen preiswerte Arbeitskräfte Facharbeiten den Broterwerb weg?
Ein Unternehmenssprecher bezeichnete diese Gerüchte allerdings als gegenstandslos, und auch die Arbeitnehmervertretung widersprach den Befürchtungen: "Der Einsatz von Zeitarbeitern und der vorübergehende Einsatz von Arbeitern aus dem Volkswagen-Werk in Polkowice sind zwei Paar Schuhe", so der stellvertretende Betriebsratschef Olaf Glöckner. Das Unternehmen verweist auf seine guten Erfahrungen mit Leiharbeitern. Sie decken auch bei VW in Chemnitz Produktionsspitzen und -bereiche außerhalb der Kernproduktion ab.
Betriebsrat Glöckner bemüht sich um Aufklärung: "Einige Verträge mit Zeitarbeitsfirmen laufen demnächst regulär aus." Wie es weiter geht, ist nach Unternehmensangaben offen. "Wir prüfen, inwieweit wir Zeitarbeiter weiter auf dem jetzigen Niveau einsetzen." Fest stehe: "Auswirkungen der Finanzkrise wird es auch in Sachsen geben."
Dass in diesen unsicheren Zeiten fremde Gesichter auftauchen, könnte zu den Gerüchten geführt haben, die Betriebsrat Glöckner ausräumen will. Das Werk "Volkswagen Motor Polska" liegt 100 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt im niederschlesischen Polkowice. Den auf zwei Monate bis Ende Dezember begrenzten Einsatz von 50 Beschäftigten aus der dortigen Motorenfertigung begründet Olaf Glöckner mit der Produktionsumstellung auf eine neue Fertigungslinie. "In Polkowice gibt es daher derzeit weniger Arbeit." Es sei gelungen, die Beschäftigten ohne Auswirkungen auf Stammpersonal oder Zeitarbeit in Chemnitz einzusetzen, betont er. Das sei mit der Belegschaft ausführlich besprochen worden.
In der Unternehmensleitung sprach man am Dienstag von einer reinen Qualifizierungsmaßnahme: Die Polkowicer werden an einem neuen VW-Diesel-Motor, geschult, hieß es aus dem Werk. Die Chemnitzer hingegen profitieren von ihrem TSI-Motor. Laut VW ist es auch dieses Alleinstellungsmerkmal, dem sie derzeit die gute Auftragssituation verdanken. Der beliebte kleine Benzinmotor werde in fast alle Volkswagen, Audis und Skodas eingebaut.
Von Grit Baldauf
Erschienen am 11.11.2008
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